Exkursion ins Tiroler Oberland – 4LWE

Gemeinsam mit Ing.in Maria Raitmair besuchten die motivierten Schülerinnen und Schüler der 4LWE der Fachrichtung "Landwirtschaft und Ernährung" interessante Betriebe im Tiroler Oberland.

Mair’s Beerengarten, Rietz

Erste Station war der Betrieb "Mair’s Beerengarten" in Rietz, wo acht Hekar Feld für den Anbau verschiedener Beerensorten wie Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren und Steinobstsorten wie Marillen, Kirsche usw. verwendet werden.

Ein Hektar liefert rund fünf Tonnen Früchte. 70 % werden direkt im Hofschank vermarktet. 30 % werden an regionale Supermarktketten geliefert.

Es ist immer sehr viel zu tun. Vor allem in der Erntezeit sind viele helfende Hände gefragt. Eine/ein gute/guter Ernter/Ernterin pflückt pro Stunde ca. 10 kg Erdbeeren. Für 10 kg Himbeeren braucht man rund zwei Stunden.

Im Familienbetrieb Mair werden die Pflanzen gespritzt, um Krankheiten wie Fäulnis, Feuerbrand, Tuftera, … vermeiden zu können, und um reichen Ertrag zu haben. Der Betrieb ist nicht biologisch jedoch nach eigenen Angaben naturnah geführt.

Die Brombeeren werden in Kübeln mit Torf-Kokosfaser-Mischung aus Indonesien gepflanzt. Der Betrieb verfügt über Hagelnetze und ist versichert, da ein Ernteausfall für den Familienbetrieb eine Katastrophe wäre.

Beeindruckt waren wir auch vom umfangreichen Sortiment, das den Kundinnen und Kunden im hauseigenen Verkaufsladen angeboten wird. Es reicht von den frischen, erlesenen Beeren und Früchten bis zu verarbeiteten Produkten wie Schnäpsen, Marmeladen, Ölen, Essig, …

Aus dem Obst werden rund 100 verschiedene Produkte hergestellt: Marmeladen, Säfte, Weine, Edelbrände, Schnäpse, … Im eigenen Hofladen, der von Montag bis Samstag geöffnet hat, werden alle Produkte zum Verkauf angeboten. Es werden über 20 verschiedene Sorten Schnaps gebrannt. Im Obstkeller befindet sich die Brennanlage. Hier werden in gemütlicher Atmosphäre auch Verkostungen durchgeführt.

Regionale, saisonale Produkte von Martin Mair kann man im Tiroler Oberland fast in jeder Gemeinde in sehr guter Qualität käuflich erwerben.

Imkerschule des Bildungszentrums der Landeslehranstalt Imst

Zweite Station war die Imkerschule der Landeslehranstalt Imst. Martin Ennemoser gab uns einen kurzen Einblick in die Bienenkunde.

Die Imkerschule des Bildungszentrum LLA Imst ist die zentrale Ausbildungsstätte der Imkerinnen und Imker Tirols. Über den primären Bildungsauftrag hinaus werden mit den eigenen Völkern neue Methoden der Bienenpflege erprobt und Eliteköniginnen der Rassen Carnica und Mellifera gezüchtet.

Sowohl Anfängerinnen/Anfänger in der Bienenzucht als auch Fortgeschrittene können hier Wissen und Fertigkeiten erwerben, die ihnen beim Umgang mit den Bienen und bei der Verarbeitung von Produkten aus dem Bienenvolk nützlich sind.

Herzlichen Dank für die interessanten Ausführungen, Herr Ennemoser.

Weingut Zoller-Saumwald

Dritte und letzte Station war der Weinbaubetrieb von Elisabeth Saumwald und Mag. Peter Zoller vom Weingut Zoller-Saumwald, die in Haiming vielfach ausgezeichnete Weine produzieren.

Herr Zoller begann 1997 als Hobby den Anbau von Wein in Haiming. Seit 2003 hat er gemeinsam mit seiner Frau mit 1,5 ha mittlerweile den „größten“ Weinbaubetrieb Tirols. Nach dem Motto „Nur wer weiß, wie guter Wein schmeckt, kann guten Wein machen“ drückten die Besitzer jahrelang die „Schulbank“ der Ruster Weinakademie. Peter Zoller ist seit Juni 2014 Weinakademiker. Seit Sommer 2015 ist er darüber hinaus auch amtlicher Verkoster. Das notwendige Fachwissen für die Weinproduktion stammt aus Büchern, Kursen in Kellertechnik, Weinreisen und geduldigen Winzern, die seine Fragen stets ausführlich beantwortet haben.

Am Fuße des Tschirgants, der dafür sorgt, dass die Temperatur um 2 °C wärmer als in Haiming ist, ist für Familie Zoller der ideale Standort für die drei Weingärten. Tagesdurchschnittstemperaturen von 10,5 bis 11 °C im Mittel von Mai bis Oktober sowie kalkhaltiger, karger Boden mit nur 3 % Humus bilden die Grundlage für ihre Weinproduktion. Wein ist Tiefwurzler. Die Wurzeln gehen 10 bis 15 m in die Tiefe, von wo sie Wasser und vor allem Mineralien holen, die man auch im Wein schmeckt.

Künstliche Bewässerung ist hilfreich bei der Bepflanzung, im Sommer – selbst in warmen Sommern – wird sie von Familie Zoller-Schaumwald nicht mehr benötigt, weil das Karghalten die Qualität und vor allem den Geschmack des Weins hebt. Bestes Wasser vom Tschirgant, das sehr mineralhaltig – nur leider kalkhaltig – ist, erhöht die Weinqualität zusätzlich.

Französische Reben aus einer französischen Rebschule im Burgund bilden die Grundlage für die Weine in Haiming. Der Wein wird von Familie Zoller-Schaumwald von A bis Z zu 100 % selbst gemacht. Die Qualität steht für sie an erster Stelle. Qualität vor Quantität. Sie ernten nur ½ kg Trauben je Stock und produzieren damit „nur“ 3.500 bis 4.000 Flaschen pro Jahr, die allesamt direkt vermarktet werden.

Den Tiroler Wein gibt es schon seit Jahrtausenden. Gemeint ist aber meist der Wein aus Südtirol, wo die Weinberge südlich von Brixen das Landschaftsbild prägen. Wer sich allerdings mit der Geschichte Tirols näher auseinandersetzt, wird feststellen, dass der Weinbau in Nordtirol mindestens bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. In Nordtirol soll es etwa 60 ha Weingärten gegeben haben. Als besonderer Förderer des mittelalterlichen Weinbaus gilt Kaiser Maximilian I auf dessen Anregung hin Weingärten in der Nähe der Martinswand in Zirl und auf den sonnigen Hängen unterhalb des Thaurer Schlosses entstanden. Aufgrund des sonnigen Klimas wurde im späten Mittelalter auch in Innsbruck-Hötting Wein angebaut. Im Tiroler Oberland weisen heute noch viele Flurnamen auf den früheren Weinbau hin. Doch wechselndes Klima und Unwissenheit über den Weinbau ließen diese Kultur wieder enden. Bedingt durch den derzeitigen Klimawandel und den höheren Durchschnittstemperaturen erlebt der Nordtiroler Weinbau seit einiger Zeit eine Wiedergeburt.

Neben einigen Ortschaften bei Innsbruck sind auch gewisse Gegenden im sonnigen Oberinntal wie etwa Imst, Tarrenz, Roppen und Haiming klimatisch durch mildes und relativ trockenes Klima begünstigt. In dieser Gegend entwickelt sich oft ein spezielles Kleinklima. Im Vergleich zum Unterinntal gibt es hier auch kaum Hochnebeltage. Im Tiroler Oberland ist es zwar weniger heiß als in Südtirol, dafür ist aber die Vegetationsperiode lang und reicht oft bis Ende Oktober. Die Rebstöcke haben dadurch mehr Zeit, Zucker, Mineralien und Aroma einzulagern. Durch den hohen Kalkgehalt behalten die Trauben während der Reife die Säure. Die hohen Temperaturunterschiede im Herbst zwischen Tag und Nacht verleihen den Trauben viel Aroma und Körper. Besonders die Region um Haiming ist sehr sonnig und eignet sich insgesamt sehr gut für den Weinbau. Der Gebirgszug des Tschirgantmassivs hält die kalten Nordwine ab, erwärmt sich während des Tages und gibt diese Wärme in der Nacht wieder an die Rebstöcke ab.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Weinbau in Tirol ist neben einem besonderen sonnigen Standort auch die Auswahl der richtigen Rebsorte mit entsprechender Unterlage und Klone, die sorgfältige Laubarbeit während der Vegetation sowie eine rigorose Mengenbegrenzung der Trauben. Seit 2007 sind die Weine von Familie Zoller-Schaumwald als Qualitätsweine nach dem Österreichischen Weingesetz eingestuft. Sie keltern folgende fünf Rebsorten:

  • Weißweine: Müller Thurgau, Chardonnay, Sauvignon Blanc
  • Rotweine: Zweigelt und Merlo, Rotwein-Cuvée „Jakobus“, Pinot Noir, Blauburgunder

Bei einer informativen Weinverkostung im schönen Ambiente mitten im Weinberg schlossen wir die Exkursion ab.

Wir bedanken uns bei Frau Raitmair für die interessante Exkursion ins Tiroler Oberland.

Veröffentlicht am 20.05.2022